10. Januar 2007
In der NZZ vom 23.12.2005 wurde das Buch
Ansgar Zerfass / Dietrich Boelter:
Die neuen Meinungsmacher
Verlag Nausner & Nausner, Graz 2005 (12 €)
besprochen. Es soll in die „Blogoshäre“ einführen. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt - wie viele andere auch - nur eine verschwommene Vorstellung davon hatte, was ein Weblogger ist, bestellte ich das Buch sofort beim Verlag. Die Buchbesprechung war völlig zutreffend! Das gediegen – liebevoll aufgemachte Buch informiert in acht übersichtlichen Kapiteln auf knappem Raum über die neue Form der Kommunikation im Internet. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen.
Da ich zur Meinungsbildung beitragen möchte, habe ich dieses Weblog eingerichtet – man sieht, das Buch hat überzeugt. Obwohl Zerfass und Boelter auch Adressen von Blog - Diensten angeben, war die Einrichtung des Journals mit Schwierigkeiten verbunden, da ich unbedingt eine Ordnung nach Kategorien haben wollte. Ohne die Hilfe meiner Frau hätte ich das nicht geschafft.
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6. Januar 2007
Wir fanden im letzten Jahr, als es noch Schnee gab, viele Frösche, die munter über das kalte Weiß sprangen.
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21. Februar 2006
Wie man den Gesprächen der Schülerinnen und Schüler entnehmen kann, geht es im Deutschunterricht trotz Enzensberger und Sontag oft um die richtige Interpretation.
Bisher habe ich mich zurückgehalten und nicht den Rat zu den Standardfragen „Na und?“ bzw. „Woher wissen Sie das?“ zum Abwürgen jedes Deutungsversuchs erteilt.
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21. Februar 2006
Im Spiegel (13.02.2006) wird über die Einführung eines Einheitsdresses an einer Grundschule in Potsdam berichtet. Dadurch soll verhindert werden, dass sich Gespräche hauptsächlich um teure Turnschuhe, das richtige Logo auf dem Pullover und die coolste Jacke dreht und Kinder nicht als „Aldi-Kind“ verhöhnt werden. Die Kinder, von denen das Mobbing ausgeht, imitieren doch nur ihre Eltern und deren Kult um Autos, teure Kleidung und Schmuck. Die Einheitskleidung ändert nichts, sie verdeckt es nur. An meiner Schule haben wir auch einen Ordnungsdienst eingerichtet, der den Schulhof säubert. Besser wäre es, der Abfall landete gleich im Papierkorb.
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28. Januar 2006
Am Montag werden zwei Kollegen in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet, die ein Jahr jünger sind als ich; ich habe vor, noch dreieinhalb Jahre zu unterrichten. Hört man sich im Kollegium um, so sind die guten Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht glücklich, in der Schule nicht.
Die Schule verändert sich rasant und zwar in einer Art und Weise, dass die Stundenbelastung steigt, der Verwaltungsaufwand wächst, die Belastung zunimmt und das Endergebnis immer magerer wird.
Stichworte (Hessen) sind: Mehr Wochenstunden, mehr Vertretungsstunden, mehr Fortbildungsveranstaltungen (Inhalte wenig hilfreich – aber Punkte), Flut von Formularen, Statistiken, ungeeignete Verwaltungssoftware, große Klassenstärken, vom Gymnasium überforderte Kinder, zunehmende Elternarbeit, neue Lehrpläne G9 gerade erprobt, durch neue Lehrpläne G8 ersetzt, neue Oberstufenlehrpläne gerade im Ansatz erprobt, zentrale Abituraufgaben, Ganztagsschule, kein ausgestatteter Arbeitsplatz in der Schule, Lehrerinnen und Lehrer schieben Überstunden vor sich her …
In der Zeitung liest man, dass Kinder unter Bewegungsstörungen leiden, die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder steigt, dass zu wenig gelesen wird, dass zu viel Zeit vor dem Fernseher verbracht wird, dass Drogenprobleme zunehmen, die Gewaltbereitschaft steigt, die Kinder falsch ernährt werden, …
Das sind aber alles Schulkinder …
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25. Januar 2006
Zeugniskonferenzen sind lang und von vielen Wartezeiten unterbrochen. Die von gestern hatte noch einen Sinn. Bei den Halbjahres - Zeugniskonferenzen werden die Noten von Schülerinnen und Schüler mit mangelhaften vorgelesen und beraten, wie man helfen könnte. Bei der Versetzungskonferenz ist in Hessen der Entscheidungsspielraum sehr, sehr gering, da alle denkbaren Fälle aufgelistet und ihre Folgen für die Schülerin bzw. den Schüler festgelegt sind – die Lehrerinnen und Lehrer haben (bis auf ganze wenige Fälle) dekorative Funktion.
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25. Januar 2006
An meinem Schlüsselbund, das ich in der Schulzeit benutze, hängt ein Schulschlüssel und unser Haustürschlüssel. Morgens benötige ich beim Verlassen des Hauses keinen Schlüssel, da meine Frau nach mir weggeht. Den ganzen Morgen gebrauche ich selbstverständlich den Schulschlüssel und „werde belohnt“ – die Türen können geöffnet werden. Stehe ich nach Schulende – in Gedanken noch bei Schulproblemen - vor unserer Haustür verwende ich „andressiert“ den Schulschlüssel.
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24. Januar 2006
Gestern klingelte eine Schülerin aus der Nachbarschaft bei uns, weil sie einen Begriff für den Kunstunterricht nachschlagen sollte. Ich hatte ihn auch noch nie gehört und er stand auch in dem zwölfbändigen Kunstlexikon nicht. Im Internet gab es auch keine Fundstelle. Auf meine Frage, was jetzt passiere, gab es eine vernichtende Antwort. „Die lacht uns sowieso aus, statt uns zu unterrichten.“ Eine traurige Perspektive für die verbleibenden Jahre der Oberstufe. Auch unter Lehrern kommt es immer wieder vor, dass der eine Fachidiot (oder wie in diesem Fall Fachidiotin) auf den anderen herabsieht.
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23. Januar 2006
Bei uns im Biologie - Vorbereitungsraum lag eines der vielen Biologie – Rätselbücher mit den vielen Kopiervorlagen (Aulis Verlag). Dass der Verlag Geld verdienen will, ist einleuchtend; aber welche Lernziele verfolgt die Lehrerin / der Lehrer? Mit den Rätseln ist es dann kein Rätsel mehr, warum problemlösende Aufgaben Schwierigkeiten bereiten.
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23. Januar 2006
Wenn ich Demonstrationsmaterial im Biologieunterricht vorzeige, ist die erste Frage, gleichgültig um was es sich handelt: „Ist das echt?“
Dann denke ich immer an einen kleinen Zeitungsausschnitt (ohne Quellenangabe, Schlamperei!) von1990.
… In der Mitte sitzen die Menschen in Dreizimmerwohnungen. Sie werden mit eingeschweißten Proteinen beliefert (als Regenbogenforellen deklariert) und mit Videos. Aus den Forellen machen die Menschen Müll und Exkremente, die werden entsorgt im dualen System, und trüben die Bäche und Flüsse. Aus den Videos machen die Menschen Träume von einer Welt, in der es Forellen und Angler gibt. Dann werden sie hungrig und gehen arbeiten. Die einen bauen Forellen, die anderen Videos. …
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23. Januar 2006
Das Verhältnis von Autoren und Kritikern ist manchmal gespannt. Der Schriftsteller ist der Kreative; der Kritiker verfasst auch Literatur – aber eben nur „sekundäre“.
Ähnlich ist das Verhältnis zwischen Naturwissenschaftlern (hier Neurophysiologen) und Philosophen bzw. Journalisten.
„Philosophie ist keine der Naturwissenschaften.“ – Ludwig Wittgenstein
Der Geisteswissenschaftler kann zwar die Antworten prüfen, kann selbst aber nichts zur Lösung des Problems beitragen. Warum dann manchmal der verbissene Ton? Man sollte doch froh sein, dass es wieder was zu prüfen gibt.
Die Neurowissenschaftler sollten überlegen, ob das Problem zu den (im Moment?) prinzipiell nicht lösbaren gehört. Will man die Aktivitäten der zugrunde liegenden synchronisierten Neuronennetze in Echtzeit genau messen, so ist der untersuchte Mensch tot. So viele Elektroden verträgt kein Mensch in seinem Gehirn. Bringt man sie nicht an, kann man nur vage outputs messen.
Scientific American 12/2005 p. 87
Darold A. Treffert and Daniel D. Christensen: Inside the Mind of a Savant
“Kim Peek possesses one of the most extraordinary memories ever recorded. Until we can explain his abilities, we cannot pretend to understand human cognition.”
Kim Peek benötigt für das Lesen einer Buchseite 8 – 10 Sekunden. Den Inhalt kann er dann auswendig wiedergeben. Bisher hat er 9000 Bücher „abgespeichert“.
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22. Januar 2006
Zusammen mit den Schülerinnen und Schülern zweier fünfter Klassen erarbeite ich eine Vorstellung von Biologie. Die Kinder sind interessiert und begeistert – sowohl von den Inhalten als auch von der Art. Ich versuche mit ihnen Probleme zu lösen und ihnen eine erste Vorstellung der naturwissenschaftlichen Denkweise zu vermitteln.
Wenn ich an die Stundentafel (Hessen / G8 ) ihres nächsten Schuljahres denke, bedaure ich die Kinder jetzt schon.
Deutsch (5 Stunden), 1. Fremdsprache (4), 2. Fremdsprache (5), Mathematik (5), Religion / Ethik (2), Kunst (2), Musik (2), Geschichte (1! – für eine neues Fach) bilden einen Block, der die ganze Woche der Kinder dominiert. Hier werden in dieser Jahrgangsstufe vor allem „skills“ eingeübt und ansatzweise in „die Welt der Vorstellungen“ eingeführt.
Die „Welt der Fakten“ wird durch Biologie (1), Physik (1! – für ein neues Fach) und Erdkunde (1) vermittelt.
Dazu kommt noch Sport (3).
Techniken und Vermittlung von Vorstellungen und Werten 26 Stunden
Fächer, die über die „reale Welt“ informieren 3 Stunden
Sport 3 Stunden
Da können „die Naturwissenschaften“ doch froh sein, dass sie zusammen gerade so viele Stunden wie das Fach Sport haben!
Wen kann so ein Plan überzeugen?
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22. Januar 2006
Der Hessische Lehrplan wurde im Januar 2002 veröffentlicht und 2000 / 2001 erarbeitet. Für den Genetikkurs wurden die damals in den Fachwissenschaften vorherrschenden Vorstellungen als Grundsichtweise übernommen, da sie besonders geeignet erschienen, Orientierungswissen und Grundprinzipien zu vermitteln. Für die meisten Lehrkräfte war die Sichtweise Gene – Organismus – Umwelt neu und wurde von vielen abgelehnt bzw. nicht verstanden. Inzwischen ist es selbstverständlich, diese drei Teile zu einer Systemsicht zu verknüpfen („Tripelhelix“) und der Plan des Genetikkurses erweist sich als vorausschauend und tragfähig für die Zukunft.
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